Entstehung und Erweiterung des Lübeck-Büchener Eisenbahnunternehmens.

Die Blüte Lübecks zur Zeit der deutschen Hanse beruhte einerseits auf der Lage der Stadt im südwestlichen Winkel der Ostsee, deren Schiffahrtsverkehr damals im Verhältnis zu dem Verkehr der westlichen Meere eine weit grössere Bedeutung hatte, als jetzt, andererseits auf dem Umstande, dass sich in Lübeck die Schiffahrtswege in zwei grosse Handelsstrassen umsetzten, die den westlichen und den mitteldeutschen Hauptverkehrspunkten zustrebten. Die eine führte nach Hamburg, die andere über Mölln und die Artlenburger Elbfähre auf Lüneburg. Die übermächtige Entwickelung der Schiffahrt auf den westlichen Meeren seit dem 15. Jahrhundert, die Abschüttelung der handelspolitischen Bevormundung durch die Hanse seitens der nordischen Staaten und die Uebernahme der führenden Rolle in der Ostseeschiffahrt erst durch die Holländer, dann durch die Engländer liessen den Handel Lübecks von Jahrhundert zu Jahrhundert mehr zurückgehen. Ganz verhängnisvoll schien es der ohnehin durch die Franzosenzeit verarmten Stadt zu werden, dass durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses neben dem schon vorher unter dänischer Herrschaft stehenden Herzogtum Holstein auch das bis dahin hannoversche Herzogtum Lauenburg an Dänemark angegliedert wurde. Denn nunmehr waren jene beiden für Lübeck wichtigsten Handelswege in den Händen eines ausländischen Staates, dem an ihrer Entwickelung nichts gelegen war, der vielmehr von einer Hebung des lübeckischen Handels sowohl eine Schmälerung seiner Einnahmen aus dem Sundzoll, wie eine Benachteiligung der in Kopenhagen einflussreich vertretenen Interessen Holsteins und besonders derjenigen des Verkehrs zwischen Kiel und Altona-Hamburg befürchtete.

Den Ersatz der verwahrlosten Lübeck-Hamburger Landstrasse durch eine Chaussee durchzusetzen, gelang erst dem Einfluss der russischen Diplomatie, nachdem 1831 die Fahrten der St. Petersburg-Lübecker Dampfschifffahrtsgesellschaft eröffnet waren. Aber die Ausnutzung der neuen Strasse wurde sehr erschwert durch die gleichzeitige Einführung eines dänischen Transitzolls, der die Warensendungen durch Holstein und Lauenburg mit einer Abgabe von 5 Schillingen für 100 Pfund brutto nebst 6 Proz. Zuschlag für Sporteln belastete. Lübeck und Hamburg sahen sich 1840 genötigt, diesen auf Grund früherer Verträge anfechtbaren Zoll auf 28 Jahre anzuerkennen, um die ordnungsmäßige Unterhaltung der Chaussee in Holstein zu sichern.

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